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By Gudrun Krebs, SAP AG, SAP User Experience – 14. April 2009
Diese Rezension spiegelt eine persönliche Perspektive des Buches Design Thinking von Hasso Plattner, Christoph Meinel und Ulrich Weinbert wider. Da das Buch auf Deutsch veröffentlicht wurde, stellen wir die Buchrezension sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch bereit.
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Hasso Plattner, Christoph Meinel & Ulrich Weinberg (2009). Design Thinking. mi-Wirtschaftsbuch. ISBN-10: 3868800131, ISBN-13: 978-3868800135 General: Innovation, Design
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Achtzehn Monate nach Gründung der als Zusatzstudium konzipierten „School of Design Thinking“ am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam liegt nun ein erster Erfahrungsbericht vor. Hasso Plattner, Christoph Meinel und Ulrich Weinberg als Initiatoren des Studiengangs beschreiben auf gut 200 Seiten die Entstehungsgeschichte und die Inhalte des Studiengangs, Kernelemente der Design-Thinking-Methode sowie exemplarische Projekte. Darüber hinaus geben sie einen Ausblick auf weitere Entwicklungen.
Das atmosphärische Buch gibt mit einer Vielzahl von Fotografien die begeisterte und engagierte Stimmung wieder, die für die Methode essenziell ist.
Design Thinking als nutzerorientiertes, teambasiertes Erfinden und Entwickeln geht über das landläufige Verständnis von Oberflächengestaltung hinaus. Design Thinking zielt darauf ab, zum einen Produkte besser auf den Benutzer zuzuschneiden, zum anderen, eine neue Art der Teambildung zu ermöglichen.
Im Folgenden werden die Schwerpunkte des Buches kurz umrissen.
Zurückgehend auf einen früheren Austausch mit der Design-Agentur IDEO wurde zunächst die d.school an der Universität Stanford, später die D-School am Hasso-PIattner-Institut in Potsdam gegründet. Kennzeichnend für beide Ausbildungsgänge ist die Zusammenarbeit von Studenten verschiedener Fakultäten, wodurch gegenseitiger Respekt und sprachliche Verständigung jenseits des Fachjargons gefördert wird.

Abbildung 1: Projektarbeit in studentischem Team, aus: http://www.hpi.uni-potsdam.de/d-school/home.html
Als exemplarisches Projekt wird die Entwicklung einer Leselampe für die Dritte Welt beschrieben; diese Innovation hat es über die üblicherweise eher prototypischen Ergebnisse hinaus zur Serienreife gebracht. Hier waren der offene Ansatz und die vielen Rückkopplungen im Entwurfsprozess bestimmend für den Erfolg.
Weitere Aktivitäten neben der studentischen Ausbildung sind die vielbeachteten Mini-Workshops und Vorführungen von tagsüber erarbeiteten Lösungsansätzen auf der CeBIT, die den Ansatz auch einem Fachpublikum nahe bringen.
Anhand von verschiedenen statistischen Untersuchungen zur Innovationsfähigkeit wird aufgezeigt, dass in Deutschland, im Gegensatz zu anderen Ländern, das Zukunftspotenzial noch nicht hinreichend ausgeschöpft wird. Um in dieser Hinsicht Verbesserungen zu erzielen, sehen die Autoren es als notwendig an, Innovatoren an speziell geförderten Hotspots auszubilden. Auch die Rolle des Staates, speziell im Rahmen der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“, wird dabei beleuchtet.
Als Ansatz zur Ideenfindung wird Design Thinking empfohlen. Diese Methode soll bereits während der Ausbildung vermittelt werden und auf diesem Wege Eingang in die Berufswelt finden. An der D-School werden dazu Bewerber mit geeignetem Persönlichkeitsprofil ausgewählt.
Ziel der Design-Thinking-Projekte ist weniger die Marktreife der Produkte, als vielmehr die Ausbildung der Studierenden zu innovativen Teamplayern und die Zusammenarbeit zwischen Fakultäten und Wirtschaft.
Als zweckmäßig erkannt wurde eine Abfolge von sechs Verfahrensschritten, angewandt durch multidisziplinäre Teams, unterstützt durch ein ausgefeiltes Raumkonzept und ergänzt mit übergreifenden Regeln und Prinzipien.

Abbildung 2 : Interaktiver Design Thinking Process, aus: http://www.hpi.uni-potsdam.de/d-school/design_thinking.html
Die Schritte sind iterativ und durch Rückkopplungen miteinander verbunden, wobei dem Schritt „Standpunkt definieren (define point of view)“ eine zentrale Bedeutung zukommt. Ein Schwerpunkt wird auf den direkten Kontakt zum zukünftigen Benutzer gelegt.
„Am Schreibtisch kann man nicht herausfinden, wie der Orang Utan denkt.“ (Prof. Hasso Plattner)
Als Mittel zur Darstellung gewonnener Erkenntnisse kommen z. B. fiktive Personen (Personas), Story-Telling oder Rollenspiele zum Einsatz. Das Ergebnis des Prozesses ist dann ein validierter Prototyp.
Anhand von Erfahrungen aus innovativen Unternehmen und dem Weiterbildungsprogramm für Führungskräfte wird gezeigt, dass Design Thinking hilft, innovative Prozesse, Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln und die Akzeptanz beim Endkunden sicherzustellen. Die Autoren stellen daher ein Forschungsprogramm vor, um die Methode zu validieren und Problemfelder wie verteilte Zusammenarbeit und Verzahnung mit dem traditionellen Engineering-Bereich aufzubereiten.
Zur Abrundung werden einige Themen aus den studentischen 12-Wochen-Projekten vertieft dargestellt. Beispiele sind hier „Optimiertes Schreiben von Fernsehserien“ oder „Selbstständigkeit von Menschen mit geistiger Behinderung“. Diese Projekte werden gemeinsam mit externen Projektpartnern durchgeführt und legen ihren Fokus vor allem auf den Endbenutzer, wobei der erarbeitete Lösungsvorschlag nicht notwendigerweise eine IT-Lösung ist.
Was wurde bisher erreicht? Es liegen eine detaillierte Beschreibung des Vorgehens sowie zahlreiche erfolgreiche Projekte aus dem universitären Umfeld vor, einige dieser Projekte haben es bis zur Produktreife gebracht. Außerdem wurde ein Weg erarbeitet, um die Design-Thinking-Methode weiterzuentwickeln.
Die Herausforderung wird dabei darin liegen, den Schwerpunkt von der Ausbildung der Persönlichkeitsstruktur hin zur Produktivität zu verschieben. Wünschenswert wäre eine Darstellung geeigneter Anwendungsgebiete und Möglichkeiten zur Einpassung in das enge Korsett betrieblicher Produktionsprozesse. Während an der D-School durch Auswahl der Bewerber Einfluss auf das im Team abgebildete charakterliche und fachliche Spektrum genommen werden kann, gestaltet sich dies im bestehenden Mitarbeiterstamm eines Unternehmens ungleich schwieriger. Auch hier wäre eine Vertiefung verdienstvoll.
Obwohl die Darstellung der D-School und der studentischen Projekte einen breiten Raum einnimmt, richtet sich das hochwertig erstellte Buch eher an Mitglieder der oberen Führungsebene. Es wird die Notwendigkeit aufgezeigt, Praktiken zur Innovationsförderung in die Produktionsprozesse zu integrieren. Die praktische Umsetzung wird angerissen, so dass erfahrene Fachleute sicherlich einige Anregungen mitnehmen können. Bleibt zu hoffen, dass der Ball angenommen wird und der vielversprechende Ansatz etabliert werden kann.