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von Michael Ott, SAP AG – 21. Mai 2001
Disclaimer: Please note that this edition was written in 2001. Therefore, statements in the articles, particularly those regarding SAP's products, product strategy, branding strategy, and organizational structure, may no longer be valid.
Dieser Artikel gibt einen Überblick über das City Portal, das im Rahmen des Portal Content Projects (PCP) von der IBS Public Services entwickelt wird.
Im Rahmen des vorangegangenen Greenfieldprojektes wurde in Zusammenarbeit mit einer großen deutschen Stadt ein HTML-Prototyp zu Diskussionszwecken erstellt. Dieser Prototyp repräsentiert insbesondere die Sichtweise deutscher Städte. Da die typischen Nutzer aber nicht nur städtische Mitarbeiter sondern insbesondere Bürger der Stadt sind, wurde im Rahmen des PCP das City Portal aus Sicht des Bürger modelliert und unter Berücksichtigung der Erwartungen von Städten weiterentwickelt.
Das City Portal ist im Gegensatz zu den anderen Portalen des PCP kein Enterprise Portal sondern ein externes Portal.
Ein Stadtportal wendet sich an verschiedene Nutzergruppen, die das City Portal mit völlig unterschiedlichen Erwartungen betreten. Um den verschiedenen Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht werden zu können ist die gruppenspezifische Unterstützung mittels eines Rollenkonzeptes und Personalisierungsmöglichkeiten zwingend erforderlich.
Folgende Hauptrollen wurden identifiziert:
Die Rollen wurden wie folgt definiert:
Ein Bürger einer Stadt ist eine Person, die in der Stadt wohnhaft ist. Dies ist ua. dadurch erkennbar, dass der Bürger dort seinen Wohnsitz gemeldet hat, falls in dem entsprechenden Land ein Meldewesen vorhanden ist.
Bedürfnisse:
Bürger sind an regionaler Information mit hoher Aktualität interessiert. Content
der Stadtverwaltung oder der politischen Organisationen und Gremien reicht für
diesen Zweck nicht aus. Neben der Nutzung aktueller allgemeiner Information
sind Bürger insbesonder an auf sie zugeschnittene Informationen und Service
interessiert.
Ein Besucher einer Stadt, ist eine Person, die nicht in der Stadt wohnhaft ist aber einmalig oder auch periodisch an Informationen oder Dienstleistungen interessiert ist.
Bedürfnisse:
Im Gegensatz zu Einwohnern einer Stadt nutzt ein Besucher das City Portal nur
sporadisch. Für Ihn sind insbesondere touristische Informationen , das Wetter
usw. interessant. Städtische Services kann er im Regelfall nicht in Anspruch
nehmen.
Ein Unternehmen tritt als Geschäftspartner der Stadt auf, muß jedoch nicht zwangsläufig in der Stadt angesiedelt sein.
Ein Investor ist ein Unternehmen oder auch eine Person, die plant sich in der Stadt an zu siedeln und Geld zu investieren.
Es gibt noch weitere interessante Personengruppen, die Stadtportale für Ihre Bedürfnisse nutzten. In Städten mit Hochschulen sind hier insbesondere Studenten zu nennen, die bereits heute eine der größten Gruppen auf Stadtportalen stellen.
Im Rahmen des PCP-Projektes wurde der Schwerpunkt der Entwicklung auf Web-Applikationen gelegt, die das City Portal aus Sicht des Bürgers unterstützen. Die weiteren Nutzerrollen wurden zum derzeitigen Zeitpunkt nicht genauer untersucht.
Bestehende Stadtportale zeichnen sich vielfach durch eine statische Struktur und keinerlei Personalisierungsmöglichkeiten aus. Den Anforderungen der Bürger wird hierdurch nur bedingt Rechnung getragen.
Das City Portal ermöglicht optional die bürgerzentrierte Nutzung des City Portals mittel Registrierung. Personalisierung macht einen Registrierungsprozess, auf den hier aber nicht weiter eingegangen werden soll, unumgänglich. Bei der ersten Anmeldung wird einmalig optional ein einseitiger Fragebogen angeboten. Abhängig von den Einstellungen wird eine Auswahl und Voreinstellung der nachfolgenden Webapplikationen durchgeführt. Dies ermöglicht es, anstatt der begrüßenden Worte des Bürgermeisters Webapplikationen für den täglichen Gebrauch, wie z.B. einen Veranstaltungskalender oder auch die aktuellen Radarfallen sofort zugänglich zu haben.
Neben der Einstellbarkeit der bürgerbezogenen Einstiegsseite, sind alle weiteren Webapplikationen für den Bürger individuell einstellbar.
Bei Verwendung einer Signaturkarte ist der Einsatz weiterer Webapplikationen möglich, die auch sensiblere bürgerbezogene Informationen darstellen.
Durch die stufenweise Verfeinerung der Personalisierung wird der Bürger motiviert und kann somit das City Portal auf seine persönlichen Gewohnheiten abstimmen.
Die Zielsetzung des Bürgerportals ist es die Interessen der Stadt sowie aller beteiligten Nutzergruppen bestmöglich zu befriedigen. Da es sich hierbei vielfach nicht um konkurrierende Ziele handelt ist eine hohe Zielerreichung möglich.
Im hier beschriebenen Entwicklungsprojekt wurde hauptsächlich auf die Bedürfnisse der Bürger eingegangen. Die nachfolgend beschriebenen Web-Applikationen zeichnen sich durch eine hohe Interaktion zwischen den verschiedenen Miniapps aus.

Abbildung 1: Die "Veranstaltungen" MiniApp
Bei dieser Webapplikation handelt es sich um einen dezentral gepflegten Veranstaltungskalender. Die Einträge werden von den Verantwortlichen der einzelnen Veranstalter über ein Web-Frontend gepflegt oder über eine XML-Schnittstelle eingespielt. Bei Bedarf ist ein Freigabe durch einen Behördenmitarbeiter denkbar.
Die Webapplikation ist so aufgebaut, dass es neben dem Veranstaltungstermin nur noch eine weitere Spalte gibt. Diese enthält alle weiteren relevanten Informationen zu einer Veranstaltung. Diese werden zwar strukturiert auf der Datenbank gespeichert aber aus Gründen der Übersichtlichkeit mittels einer Konkatenierungsregel übersichtlich dargestellt.
In der Personalisierung lassen sich die angezeigten Veranstaltungskategorien und Regionen einschränken, so dass bei der späteren Nutzung nur noch relevante Veranstaltungen, wie z.B. Oper und Theaterveranstaltungen in der aktuellen Woche, erscheinen.
Einzelne Termine können ausgewählt werden und in die Webapplikation "Meine Termine" übernommen werden. Hierbei ist es unerheblich, ob die Webapplikation "Meine Termine" sich im gleichen Workset wie die Webapplikation "Veranstaltungen" befindet. In der Veranstaltungszeile wird zusätzlich ein Link auf Detailinformation zur Veranstaltung angeboten.
Über den Button "Stadtplan" erhält man für die markierte Veranstaltung den passenden Ausschnitt des Stadtplanes und eine Routenplanung vom Wohnort zum Veranstaltungsort. Dies wird dadurch ermöglicht, dass die hierfür notwendigen Adressdaten im Hintergrund gehalten werden.
Der Button "Kontakte" liefert Ansprechpartnerdaten für die markierte Veranstaltung.
Die Funktion "Termine löschen" ermöglicht das bürgerbezogene Löschen von Terminen aus dem Allgemeinen Veranstaltungskalender eines Bürgers. Alle anderen Bürger erhalten den Termin weiterhin angezeigt.
Die Web-Applikation "Meine Termine" enthält wichtige persönliche und allgemeine Termine.

Abbildung 2: Die "Termine" MiniApp
Die einzelnen Einträge werden
erzeugt.
Automatisch erzeugte Einträge werden im Regelfall aus Fremdsystemen eingespielt und haben vielfach Alertcharacter, wie z.B. "Ihr Personalausweis läuft ab". Welche automatischen Termine eingespielt werden ist durch den Administrator steuerbar.
Manuelle Einträge werden vom Benutzer durch die Übernahme von Terminen aus anderen Webapplikationen erzeugt
In der Personalisierung kann man angeben, welchen Zeitraum man per Default sehen möchte.
Die Funktionen "Termin löschen", "Stadtplan" und "Kontakte" werden analog der Webapplikation "Veranstaltungen" implementiert.

Abbildung 3: Die "Vereinsnachrichten" MiniApp
In der Webapplikation "Vereinsnachrichten" werden die aktuellen Nachrichten der örtlichen Vereine angezeigt.
In der Personalisierung können die Nachrichten bestimmter Vereine voreingestellt werden.
Falls sinnvoll, kann ein Termin auch in "Meine Termine" übernommen werden.
Die Funktionen "Termin löschen", "Stadtplan" und "Kontakte" werden analog der Webapplikation "Veranstaltungen" implementiert.
Die Vereinsnachrichtigen können über ein weitere Webapplikation durch die Verantwortlichen der Vereine per Browser eingepflegt werden. Vor der Publizierung an der hierfür vorgesehenen Stelle innerhalb der Vereinsnachrichten kann optional ein Genehmigungsworklow angestoßen werden. In diesem Fall muß ein Verantwortlicher der Stadt der Publizierung zustimmen, bevor die Nachricht allgemein zugänglich gemacht wird. Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn neue Vereine aufgenommen werden, die noch nicht vertrauenswürdig sind.

Abbildung 4: Erste Müll-MiniApp

Abbildung 5: Zweite Müll-MiniApp
Das Thema Müllentsorgung spielt bei deutschen Bürgern eine wesentlich höhere Bedeutung, als ursprünglich angenommen wurde. Vielfach herrscht Unklarheit, wann welcher Müll entsorgt wird. Diesem Sachverhalt wird durch eine eigene Webapplikation Rechnung getragen.
Die Webapplikation "Informationen zur Müllentsorgung" stellt unter Berücksichtigung des Wohnsitzes des Bürgers die aktuellen Termine zur Entsorgung der verschiedenen Müllsorten dar.
Die Termine für die Wöchentliche Müllentsorgung und die Termine für die Sondermüllentsorgung werden auf einem separaten Tabstrip angezeigt. Auf dem Tabstrip zu den Sondermüllentsorgungen wird ein Button angeboten, der das Ausfüllen eines Müllschecks erlaubt (falls eine solche Vorgehensweise in der Stadt üblich ist). Unter Müllcheck wird hierbei die Möglichkeit verstanden, Sperrmüll z.B. an einem fest Termin abholen zu lassen. Auf Druck des Buttons wird der entsprechende Bürgerservice gestartet.
Der Link zu den einzelnen Müllarten (z.B. Sperrmüll, Elektroschrott) bringt Informationen zu der Müllart. Gleichzeitig wird aber ebenfalls die Möglichkeit angeboten, einen Müllscheck anzufordern. Auf Wunsch können einzelne Termine in "Meine Termine" übernommen werden. Bei Ausfüllen eines Müllschecks für einen bestimmten Sondermülltermin geschieht das automatisch.
Die Mülltermine werden über eine XML-Schnittstelle eingespielt.
Informationen und Adressen über "Not- und Bereitschaftsdienste" werden dem Bürger in der gleichnamigen Webapplikation zur Verfügung gestellt.
Eine Sortierfunktion (Shuffler) erlaubt die Auswahl der einzelnen Kategorien (Ärzte, Apotheken etc.) und Regionen (Stadtteile). Da auf dieser Seite zwei Shuffler vorhanden sind, wird die Selektion über einen separaten Button gestartet. Alternativ, aber weniger performant, wäre das automatische Selektieren bei Änderung eines der beiden Shuffler.
Mit dem Button "Stadtplan" wird für einen markierten Eintrag der Stadtplan/Routenplaner aufgerufen.
Diese Webapplikation wird im Rahmen des Bürgerserviceprojektes zusammen mit der CRM-Gruppe entwickelt. Die Webapplikation erlaubt einen Überblick über alle bei einer Stadt eingereichten Anträge eines Bürgers. Sie dient dazu Anfragen bzgl. des Status von Anträgen bei der Stadtverwaltung zu reduzieren und gleichzeitig den Ablauf für den Bürger transparent zu machen. Zu diesem Zweck wird neben dem Status eines Antrages der geplante Fertigstellungstermin in der Webapplikation publiziert.
Abbildung 6: Gesamtsicht des City Portal Prototypen; klicke auf Bild für Ansicht in Originalgröße
Derzeit sind folgende Worksets geplant:
Das City Portal, erlaubt neben der reinen Darstellung von Information die stufenlose Integration von Bürgerservicen. Dies wird durch den Lebenssituationsansatz erreicht, der in Form der "Life und Workevents" fester Bestandteil des Workplace ist (siehe auch Employee Self-Service and Life and Work Events – Two Ideas for a New User-Centric Perspective in this edition).
Vielfältige Personalisierungsmöglichkeiten verbunden mit einem sicheren Registrierungs- und Anmeldeverfahren schaffen ein auf den Bürger zugeschnittenes Stadtportal. Dies ermöglicht es neben der Darstellung allgemeiner Inhalte auch die Präsentation persönlicher Informationen, wodurch der Nutzen des Stadtportal für den Bürger deutlich gesteigert werden kann.
Die Erstellung des Greenfieldprototyps brachte erste Erkenntnisse über den sinnvollen Aufbau eines Stadtportals. Die zusätzlich im Rahmen des PCP zusammen mit Usibilityexperten durchgeführte Bürgerbefragung und Erstellung eines Papierprototyps ermöglichte eine angemessene Berücksichtigung der Bürgerinteressen sowie der Bedienbarkeit des Portals.