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Thema der Tagung

Am Ende des 20. Jahrhunderts scheint ein lang angestrebtes Ziel in greifbare Nähe gerückt zu sein:
die Verbindung und Integration weltweit verteilter Information und der direkte Zugriff darauf von beliebigen Orten. Bislang voneinander getrennte Anwendungen und Daten wachsen zu einem globalen Netz ohne deutlich erkennbare Grenzen zusammen. Neue Arbeits- und Organisationsformen wie Telearbeit oder weltweit verteilte virtuelle Teams werden möglich.

Grenzen verschwinden auch im Bereich der Mensch-Computer Benutzungsschnittstelle: Agenten, Avatare, virtuelle Räume und neue Interaktionsgeräte verwischen den Unterschied zwischen der Welt "vor" und "hinter" der Monitorglasscheibe und erweitern die reale Umgebung. Auf unterschiedliche Geräte des täglichen Gebrauchs verteilte Mikroprozessoren bedingen durch ihre Integration neue Formen und Probleme der Informations- und Gerätesteuerung. Diese Veränderungen erfordern eine ständige Weiterbildung von Individuen und Organisationen in der Nutzung der Möglichkeiten, eröffnen aber zugleich neue Möglichkeiten des Lernens, Arbeitens und Kommunizierens.

Inwieweit diese neuen Möglichkeiten Chancen oder Risiken darstellen, hängt zu einem beträchtlichen Teil von der menschengerechten Gestaltung der technischen Optionen, der Mensch-Maschine-Systeme und der soziotechnischen Systeme ab.

Die Benutzer zu Beginn des nächsten Jahrhunderts werden die Informations- und Kommunikationstechnik stärker als bisher im ursprünglichen Sinne der Wortbedeutung nutzen. Sie werden nicht mehr bloße "Bediener" von Arbeitssystemen mit Schaltern, Knöpfen und Tasten sein. Statt der Bearbeitung vorgegebener Teilaufgaben an einem festen Arbeitsplatz am und mit dem Computer wird für viele Anwender zunehmend die Interaktion in künstlichen, anregend gestalteten virtuellen Organisationen und Informationswelten im Vordergrund stehen.

Wichtigstes Arbeitsziel wird das Suchen, Analysieren, Auswerten, Bewerten und Anwenden von Information sein, ermöglicht und unterstützt durch vielfältige Techniken der Mensch-Computer-Interaktion.

Die Benutzungsschnittstelle in Form einer eigenständig wahrnehmbaren Schicht zwischen Benutzer und Anwendung tritt in den Hintergrund zugunsten eines unmittelbareren Arbeitens mit Informationen. Es stellen sich Fragen nach der angemessenen Strukturierung und Darstellung dieser Informationen, nach der Navigation in der Informationsmenge und nach dem Nutzungspotential der damit verbundenen neuen Möglichkeiten. Von den Antworten wird es abhängen, ob die neuen multimedial erweiterten Informationswelten menschengerecht und für alle Anwender zugänglich und benutzbar sind, oder ob neue Grenzen innerhalb der Gesellschaft und zwischen Mensch und Technik aufgebaut werden.

Die Tagung wird sich mit diesen neuen Herausforderungen an die Gestaltung der Mensch-Computer-Interaktion beschäftigen. Zusätzlich zu den Grundthemen der Software-Ergonomie wird entsprechend dieses Tagungsschwerpunktes daher besonders zu Beiträgen aus folgenden Themenbereichen ermutigt:

Neue Möglichkeiten der Informationstechnologie

  • Augmented und Virtual Reality
  • Neue Interaktionsformen
  • Mobile Computing
  • Software-Agenten
  • Adaptivität und Adaptierbarkeit
  • Computerunterstützte Gruppenarbeit (CSCW)
  • Computerunterstütztes Lehren und Lernen

Gestaltung von Informationswelten

  • Neue Oberflächen (3D, direkte Manipulation...)
  • Navigation in Informationssystemen
  • Gestaltung von Informationen im WWW
  • Unterstützung der Exploration und Informationssuche
  • Integration von Prinzipien der Medienforschung/Motivationsforschung, Spieleentwicklung
  • Vorgehensweisen und Methoden beim Design
  • Verbindung von Design und Funktionalität
  • Partizipative Prozesse bei der Gestaltung neuartiger Informationswelten
  • Bewertungsmethoden
  • Weiterentwicklung bestehender Anwendungen
  • Knowledge Management in großen Informationssystemen

Nutzung und Anwendung von Informationssystemen

  • Erfahrungsberichte
  • Bedürfnisse verschiedener Benutzergruppen
  • Multikulturelle Aspekte
  • Einfluß auf Organisationsentwicklung (workflow, business reengineering)
  • Veränderung zwischenmenschlicher Kommunikation
  • Mentale Belastung/Streß durch Arbeiten an und mit Informationssystemen
  • Verbindung von Arbeit und Lernen
  • Werkstattsysteme und Home Systems
  • Werkzeuge für die Entwicklung multimedialer Informationswelten

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